Anton Barsch [7]

Die Geschichte von Anton Barsch

The story of Anton Barsch


Kapitel 6 | Chapter 6

Das Ausmaß des Krieges

The scale of the war


[German Version]

Ich war ganz davon überzeugt, dass Georg Seeger mir mehr über den Krieg und alles drum herum erzählen könnte.

Als ich an die schöne, alte Türe klopfte war ich überglücklich und empfand einen inneren Frieden bald den immerwährend freundlichen Georg wieder zu sehen. Er zeigte mir, wenn ich mal nichts zu tun hatte, wie gute Schreinerarbeit macht. Wir waren also so zu sagen alte Bekannte, aber man kann einfach Freunde sagen. Da hörte ich im Inneren der Hütte einen Stuhl ruckeln und Schritte näherten sich. Mein Herz klopfte und ich ließ es mir zwar nicht anmerken, doch als er die Tür öffnete hätte ich jubeln und tanzen können, tat es aber schließlich nicht. Was für ein schöner Tag heute doch war, auch wenn es darauf hin wie aus abertausenden von Eimern goss. Denn in letzter Zeit hatte es sehr wenig geregnet und so freute es mich, dass endlich wieder Wasser vom Himmel viel. Georg Seeger sah mich fragend an und fragte was ich von ihm wollte und wer ich war.

„Anton, Anton Barsch.“, antworte ich schnell.

Lustig schaute ich nun sicher drein.

Da schaute Georg verdutzt und meinte: „Anton, du bist aber groß geworden!“

Er konnte es wohl kaum fassen, doch ich stand wahrhaftig vor ihm und blinzelte ihn an.

Er ließ mich hinein und forderte mich auf zu reden. So erzählte ich ihm, dass ich mit ihm über den Krieg der uns alle bedrückte sprechen wollte.

Dann kam ein kleiner Zwerg herein gesprungen und lachte. Ich gab ihm einen Tritt in den Hintern und er flog davon. Nein das stellte ich mir natürlich bloß vor, aber witzig wäre es schon gewesen. Georg schlief ein und sabberte aus dem Mund, er war nämlich ein ziemlich alter Mann. Ich weckte ihn wieder indem ich in die Hände klatschte. Daraufhin klopfte es an der Tür.

Georg Seeger stand auf und öffnete sie, es war Theo.

Er entdeckte mich und sprach: „Anton, wieso bist du weggegangen? Wir haben alle nach dir gesucht!“

Ich war ein wenig beschämt, dass ich aus seinem Haus einfach so weggegangen bin, ohne Bescheid zu sagen. Schließlich hatte Theo uns aufgenommen und so hätte ich eigentlich nicht nach draußen gehen sollen.

„Es tut mir leid, aber ich wollte doch bloß etwas frische Luft schnappen und mit den anderen Dorfbewohnern reden.“, erwiderte ich. „Ich geh mit, aber darf ich nachher nochmal herkommen, bitte?“

Nun lächelte Theodor: „Von mir aus gern, natürlich nur wenn es dein Vater auch erlaubt, denn sie hatten vor gleich morgen weiter zu reisen. Doch das können wir auch noch später bereden. Lass uns gehen!“

Theo und ich liefen den schmalen Weg entlang und plauderten über die Abreise. Die Sonne war nun wieder strahlend hell, die Gewitterwolken zogen vorüber und der Tag sollte dann doch noch schön werden. Ich aß ein Brot mit Butter und etwas Wasser. Danach durfte ich wie versprochen zu Georg und mit ihm über den Verlauf des Krieges reden.

„Nun mein Junge, es sieht so aus als ob der Krieg noch eine Weile dauern wird, doch ich habe Zuversicht, dass es gut ausgehen wird!“, meinte Georg Seeger betont. „Wenn unsere Soldaten den Feind erst mal zurückgedrängt haben können wir auf Frieden hoffen, denn viele Städte im Westen sind von den Feinden besetzt worden. Straßburg ist wieder in französischer Hand, aber eben auch Freiburg und die Stadt hier in unserer Nähe, die wo noch keinen offiziellen Namen hat. Doch in spätestens zwei Jahren denke ich, wird es vorbei sein mit dem Krieg.“

Ich dachte mir, dass es bestimmt furchtbar werden würde wenn es wirklich so kommt wie Georg gesagt hatte und so beschloss ich ihm anzubieten ihn mit zu nehmen.

„Wie wäre es, wenn wir Sie mitnehmen würden Herr Seeger?“, fragte ich ihn verschmitzt lächelnd.

„Oh, sehr gern Anton, doch wissen denn deine Eltern davon?“, wollte Georg Seeger belustig von mir wissen.

Ich verneinte, aber bat ihn darum mit zu kommen. Nachdem dies geklärt war, erzählte er weiter über den derzeitigen Krieg. Zum Beispiel über die vielen Toten und Verwundeten die das Land zu beklagen hatte und die armen Männer die noch dort draußen waren und um ihr Leben kämpfen mussten. Es wurde daher später als ich gedacht hatte, denn es war schon längst Mittag.

,Hoffentlich haben sie nicht schon ohne mich angefangen!‘, dachte ich im Stillen, bedankte mich bei Herrn Seeger für die nette Unterhaltung und rannte los was das Zeug hielt.

Gerade noch rechtzeitig kam ich an, Theo wollte schon das Gebet sprechen und so entschuldigte ich mich für die Verspätung. Dann erklärte ich, dass es bei Herrn Seeger etwas länger gedauert hatte und setzte mich an den runden Holztisch.

Beim Essen teilte ich meinen Eltern mit, dass Georg Seeger mit uns mitkommen würde, insofern sie es erlaubten. Vater war sofort einverstanden und Mutter meinte „Es ließe sich schon irgendwie einrichten“, schließlich war er ja schon ein älterer Herr und brauchte deshalb auch Hilfe. Theo erwiderte, dass wir auch die beiden Bergers mitnehmen sollen, denn wenn schon dann gleich alle.

Da viel mir der Verrückte ein und ich sagte; „Da soll es doch noch einen Verrückten geben, hat man mir gesagt?!“

Mit meiner alten Mütze auf dem Kopf suchte ich los, denn wenn jemand den Irren findet, dann bin das ja wohl ich. Drei Uhr musste es jetzt schon sein und da hörte ich jemand mitten im Wald irgendein wirres Zeug labern, bestimmt der Verrückte.

Ich kam näher, denn zu ihm hinlaufen wollte ich im Moment auf keinen Fall. Plötzlich knackte es unter mir und ich erschrak. Der Mann fragte überrascht: „Wer ist da?!“ Blitzschnell kam er auf mich zu gerannt, als er mich entdeckt hatte.

Seiten: 19 – 21 | Kapitel 6


[English Version]

I was completely convinced that Georg Seeger could tell me more about the war and everything around it.

When I knocked on the beautiful old door I was overjoyed and felt an inner peace to see the ever friendly Georg again. He showed me how to do good carpentry when I had nothing to do. So we were old acquaintances, so to speak, but one can simply say friends. Then I heard a chair jerking inside the hut and footsteps approaching. My heart was beating and I didn’t let it show, but when he opened the door I could have cheered and danced, but in the end I didn’t. What a beautiful day it was today, even though it was pouring like thousands and thousands of buckets. Because lately it had rained very little and so I was happy that finally water from the sky was flowing again. Georg Seeger looked at me questioningly and asked what I wanted from him and who I was.

“Anton, Anton Barsch,” I answered quickly.

I sure must seem funny right now.

Then Georg looked startled and said: “Anton, you’ve grown up so much!”

He could hardly believe it, but I truly stood before him and blinked at him.

He let me in and asked me to speak. So I told him that I wanted to talk to him about the war that was oppressing us all.

Then a little dwarf jumped in and laughed. I gave him a kick in the butt and he flew away. No, of course I just imagined that, but it would have been funny. Georg fell asleep and drooled from his mouth, he was a pretty old man. I woke him up again by clapping my hands. Then there was a knock at the door.

Georg Seeger stood up and opened it, it was Theo.

He discovered me and said: “Anton, why did you leave? We were all looking for you!”

I was a little ashamed that I left his house just like that without telling him. After all, Theo had taken us in and so I shouldn’t really have gone outside.

“I’m sorry, but I just wanted to get some fresh air and talk to the other villagers,” I replied. “I’ll go with you, but may I come back later, please?

Now Theodor smiled: “It’s fine with me, of course only if your father allows it, because they planned to leave tomorrow morning. But we can talk about that later as well. Let’s go!”

Theo and I walked along the narrow path and chatted about the departure. The sun was now bright again, the thunderclouds passed by and the day was to be beautiful after all. I ate a bread with butter and some water. Afterwards I was allowed, as promised, to talk to Georg and with him about the course of the war.

“Well my boy, it looks like the war will last a while longer, but I am confident that it will end well,” Georg Seeger emphasized. “Once our soldiers have pushed back the enemy, we can hope for peace, because many cities in the west have been occupied by the enemy. Strasbourg is in French hands again, but so is Freiburg and the city near us, which does not yet have an official name. But in two years at the latest, I think the war will be over”.

I thought that it would be terrible if it really happened the way Georg had said and so I decided to offer to take him with me.

“How about we take you with us, Mr. Seeger”, I asked him with a mischievous smile.

“Oh, I’d love to Anton, but do your parents know about this?”, Georg Seeger asked me amusingly.

I denied it, but asked him to come along. After this was settled, he continued to talk about the current war. For example about the many dead and wounded that the country had to mourn and the poor men that were still out there fighting for their lives. So it was later than I had thought, because it was already noon.

‘Hope they haven’t already started without me’, I thought in silence, thanked Mr. Seeger for the nice conversation and ran off like a bat out of hell.

I arrived just in time, Theo just wanted to say the prayer and so I apologized for the delay. Then I explained that it had taken a little longer at Mr. Seeger’s place and sat down at the round wooden table.

During dinner I told my parents that Georg Seeger would come with us, as far as they allowed. My father immediately agreed and my mother said “It could be arranged somehow”, after all he was already an older man and therefore needed help. Theo replied that we should also take the two Bergers with us, because if taking one with us, why not all of them.

Then the madman got into my head and I said, “There should be another one, the madman, I was told?

With my old cap on my head, I started searching, because if anyone finds the madman, it must be me. It had to be three o’clock by now, and I heard someone babbling some crazy stuff in the middle of the forest, I’m sure it was the madman.

I came closer, because I didn’t want to run to him at the moment. Suddenly there was a crackling sound underneath me and I was startled. The man asked in surprise: “Who is there?!” As fast as lightning he came running towards me, after he had discovered me.

Pages: 19 – 21 | Chapter 6


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