Anton Barsch [6]

Die Geschichte von Anton Barsch

The story of Anton Barsch


Kapitel 5 | Chapter 5

Theos geheimnisvoller Gast

Theos mysterious guest


[German Version]

Die Frage hallte durch den Raum und der Gefragte antwortete leise und langsam: „Ich heiße Georg Barsch und wer bist du?“

Es war wohl ein Wunder, aber wenn das wirklich stimmte, dann saß mir mein Vater gegenüber. Mein eigener, richtiger Vater!

Mir blieb der Mund offen stehen und eine Fliege flog hinein. Ich musste deswegen husten und die Fliege flog wieder heraus.

Endlich ergriff Mutter das Wort und flüsterte unsicher: „Georg, bist du? Ich bin Hilde, deine Frau.“

Der Mann, der nun so wie es schien mein Vater war erhob sich und sprang freudig auf uns zu. Wir umarmten uns eine ganze Weile, so als wollten wir uns nie loslassen. Theo schaute ebenfalls gut gelaunt aus, es passierte ja nicht jeden Tag so ein „Wunder“ wie jetzt. Das Glück konnten wir alle kaum fassen, so unreal wirkte es, aber doch wahr.

Nach all der Überraschung und Aufregung erzählte Vater wie er vor ein zwei Wochen hier hergekommen ist. Es war so, dass er von seiner Soldatentruppe abgehauen war und es glücklicher Weise geschafft hatte unbemerkt zu entkommen. Denn er galt nun als Deserteur und diese wurden, wenn man sie aufgriff getötet. Weil ein Soldat nicht ohne weiteres fliehen darf. Eigentlich nur wenn es aussichtslos war, alle anderen ebenfalls flohen und es Befehl war zu fliehen.

Doch das war uns nun ganz egal, wir hatten ja endlich unseren Vater zurück. So froh waren wir schon lange nicht mehr.

Theo kochte uns eine für unsere Verhältnisse recht leckere Suppe, dazu gab es einen Kanten Brot. Auch wenn es ein einfaches Essen war, wie es oft gegessen wurde, so kam es mir und bestimmt auch den anderen wie ein Festmahl vor.

Gleich nach dem Essen wurde ausgemacht wer wo schlief und dann gingen wir zu Bett, na ja es waren eigentlich Strohsäcke worauf wir schliefen, aber das ist ja sowieso egal.

Ein schrilles Geräusch weckte mich und ich bemerkte als es nochmals ertönte, dass es ein Hahn sein musste der zum Aufstehen kräht. Die Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster.

So müsse uns ein schöner Tag erwarten, dachte ich immer noch überglücklich. Da neben mir mein Vater noch schlief und auch Kurt, Theo und Mutter noch nicht auf den Beinen waren, wollte ich einen kurzen Blick nach draußen werfen und ein bisschen frische Luft schnappen. Vielleicht würde ich dann auch die restlichen Dorfbewohner antreffen? Es mussten noch vier sein, außer Theo und Vater, wer mochte es wohl sein? Ich schlüpfte durch die schmale Tür ins Freie und ein kühler Windstoß blies mir direkt ins Gesicht. Schnell schloss ich also hinter mir die Tür.

Nun bemerkte ich ein Augenpaar, das aus dem Fenster der gegenüberliegenden Hütte schaute. Blitzschnell verschwand es wieder, doch ich hatte die dazugehörige Person schon erkannt, es war der schreckhafte Joachim. So ging ich zu der selbigen Hütte und klopfte an das kleine Türchen. Eine ältere Frau öffnete, es war Joachims Mutter, Helga. Der Vater der Bergers war schon als ich noch hier wohnte bei einem Forstunfall ums Leben gekommen. Ich begrüßte die beiden und bat um Einlass. Helga gab mir einen Hocker und setzte sich selbst auf eine Strohmatte. Ihr Sohn, Joachim, war ungefähr zwanzig während ich einige Jahre jünger war. Doch bald schon wäre ich auch erwachsen.

„Was führt dich zu uns, ich habe gesehen wie du mit zwei anderen in Theos Hütte gegangen bist, erklärte sie neugierig. „Wer seid ihr eigentlich und von wo kommt ihr?“

Ich erwiderte, dass wir aus einer Stadt nicht weit von hier geflohen sind und ich Anton bin, meine Mutter Hilde heißt und der Mann ein Freund ist und Kurt heißt. Dann fragte ich sie wer denn noch im Dorf wohne und sie meinte es sei der Schreiner Georg und irgendein Verrückter, dem man besser aus dem Weg geht.

Ich bedankte mich rasch und machte mich auf den Weg zum Schreiner, der etwas abseits vom Dorf auf einem Hügel wohnt.

Er ist ein etwas zurückgezogener Mensch und liebt die Natur über alles. Mit seinem Beruf wollte er schon immer den Bäumen eine besondere Ehre erweisen. Mit seinen schön verzierten Tischen, Schränken, Stühlen und sonst noch irgendwelche Sachen die man aus Holz macht. Ich wollte zu ihm weil ich mehr erfahren wollte über den Krieg, der uns alle bedrückt.

Es war ein steiniger, schmaler Pfad der zu der Hütte des Schreiners führte. Er war verschlungen und führte durch ein kleines Waldstück. Es ist ein so schöner Anblick bis rauf zu Georg Seegers kleines Häuschen.

Die gute Landluft ging mir durch und durch, der kühle Wind wehte mir entgegen und ein paar Regentropfen fielen vom Himmel. Wahrscheinlich würde es bald anfangen richtig zu regnen. Umso schneller lief ich nun, ich musste ja schließlich noch vor dem Frühstück wieder bei Theo sein.

Seiten: 16 – 18 | Kapitel 5


[English Version]

The question echoed through the room and the inquired one replied quietly and slowly: “My name is Georg Barsch and who are you?

It was probably a miracle, but if that was really true, then my father was sitting opposite me. My own, real father!

My mouth remained open and a fly flew in. I had to cough because of it and the fly flew out again.

Finally mother took the floor and whispered insecurely: “Georg, are you? I am Hilde, your wife.”

The man who now seemed to be my father rose and jumped happily towards us. We embraced for a while, as if we would never let go. Theo looked in a good mood as well, it didn’t happen every day such a “miracle” like now. We all could hardly believe our luck, so unreal it seemed, but it was true.

After all the surprise and excitement, father told us how he came here two weeks ago. It was as if he had escaped from his troop of soldiers and had luckily managed to escape unnoticed. Because he was now considered a deserter and they were killed if they were caught. Because a soldier is not allowed to flee without further ado. Actually only if it was hopeless, all the others also fled and it was order to flee.

But that didn’t matter to us now, we finally had our father back. We hadn’t been that happy for a long time.

Theo cooked us a very tasty soup for our circumstances, and we were given an edge of bread. Even if it was a simple meal, as it was often eaten, it seemed like a feast to me and certainly to the others.

Right after the meal we decided who slept where and then we went to bed, well it was actually straw bags we slept on, but that doesn’t matter anyway.

A shrill noise woke me up and I noticed when it sounded again that it had to be a rooster crowing to get up. The sunrays fell through the window.

So a beautiful day had to await us, I still thought overjoyed. Since my father was still sleeping next to me and Kurt, Theo and mother were also not yet on their feet, I wanted to take a quick look outside and get some fresh air. Maybe then I would meet the rest of the villagers as well? There had to be four more besides Theo and father, who would it be? I slipped through the narrow door into the open air and a cool gust of wind blew right into my face. So I quickly closed the door behind me.

Now I noticed a pair of eyes looking out of the window of the hut opposite. They eyes disappeared again as fast as lightning, but I had already recognized the person belonging to it, it was the jumpy Joachim. So I went to the same hut and knocked on the little door. An older woman opened it, it was Joachim’s mother, Helga. The Bergers’ father had already died in a forestry accident when I still lived here. I greeted the two and asked them to let me in. Helga gave me a stool and sat herself on a straw mat. Her son, Joachim, was about twenty while I was a few years younger. But soon I would have grown up too.

“What brings you to us, I saw you go into Theo’s hut with two others, she explained curiously. “Who are you and where are you from?”

I replied that we had fled a town not far from here and that I am Anton, my mother’s name is Hilde and the man is a friend and his name is Kurt. Then I asked her who else lived in the village and she said it was the carpenter Georg and some crazy man who was better avoided.

I quickly thanked her and made my way to the carpenter, who lives on a hill a bit away from the village.

He is a somewhat withdrawn person and loves nature above all. With his profession he always wanted to pay a special tribute to the trees. With his beautifully decorated tables, cupboards, chairs and other things made of wood. I wanted to go to him because I wanted to learn more about the war that oppresses us all.

It was a stony, narrow path that led to the carpenter’s hut. It was winding and led through a small forest. It is such a beautiful sight all the way up to Georg Seeger’s little cottage.

The good country air went through me, the cool wind blew towards me and a few raindrops fell from the sky. Probably it would start to rain soon. So I ran all the faster now, I had to be back at Theo’s before breakfast.

Pages: 16 – 18 | Chapter 5


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