Anton Barsch [5]

Die Geschichte von Anton Barsch

The story of Anton Barsch


[German Version]

So blieb ich schließlich stehen und wartete bis der Mann bei mir war.

Dann fragte ich ihn: „Warum laufen sie eigentlich hinter mir her? Ich hab ihnen doch nichts getan.“

Er antwortete mit seiner, mir schien nun noch raueren Stimme: „Junge, ich will dich doch bloß beschützen! Du weißt ja gar nicht wie gefährlich es hier draußen ist. Komm mit in meine Hütte, da ist es sicherer!“

Ich war ein bisschen misstrauisch gegenüber dem Fremden, doch ich vertraute ihm trotzdem.

So räusperte ich mich, denn der Mann wollte schon wieder zurück in seine Hütte gehen: „Was ist denn so gefährlich, dass sie mich von der Straße in ihre Hütte nehmen wollen?“ Der Mann hielt inne, ich nutzte die Gelegenheit und fragte weiter: „Wie viele Leute leben hier eigentlich noch, denn wissen sie ich habe hier vor noch nicht allzu langer Zeit selber einmal gewohnt.“

Das machte den Mann wohl noch stutziger, denn er drehte sich zu mir um und sah mich ganz merkwürdig an. In seinen Augen bemerkte ich ein Schimmern und der Fremde sah für einen kurzen Moment so aus, als hätte er soeben ein Gespenst gesehen. Doch dann verblassten der Glanz und die Freude in den Augen auch schon wieder. Endlich brach er ein paar Worte heraus, aber er beantwortete meine Frage nicht. Er sagte, dass ich einem Jungen ähnlich sei, von dem er gehört hatte. Verneinte dies aber gleich wieder. Danach erklärte er mir schließlich wie viele Leute noch hier wohnten, nämlich nur noch eine Hand voll oder um genau zu sein sechs Leute.

Die Sache vor der er sich fürchtete war wie ich erfuhr, das immerwährende Plündern der eigenen Soldaten. Sie waren, wie ich noch verstand, genauso schlimm zu den Bauern wie die feindlichen Soldaten. Vor lauter Gerede vergaß ich fast Mutter und Kurt, die ja noch immer auf mich warteten.

„Bevor wir reingehen, ich bin nicht allein. Meine Mutter und ein Freund der Familie warten auf mich.“

Der Mann schaute mich etwas ernst an.

„Ich sollte mich hier umsehen, ob alles sicher ist“, redete ich hastig weiter.

Der Dörfler verstand offensichtlich was Sache war und fragte wo ich die beiden denn gelassen hatte. Er riet, obwohl er eine Laterne hatte, eher davon ab, denn es könnte uns in Gefahr bringen. Wenn er es sagte vertraute ich darauf, dass es stimmte.

„Das ist gut, dass ihr das so gemacht habt, doch sollten wir deine Mutter und euren Freund besser schnell holen. Wer weiß was ihnen hier zustoßen könnte, wenn sie noch länger dort bleiben wo sie jetzt sind! Ich bin übrigens Theodor, du kannst mich aber auch nur Theo nennen. Doch nun sollten wir rasch los, es wird Nacht!“

Ich freute mich, dass er mir seinen Namen genannt hatte. Nun musste ich meinen ja ebenfalls sagen:

„Mein Name ist Anton.“

Nachdem wir uns nun vorgestellt hatten marschierten wir los. Da es jetzt mächtig dunkel geworden war, kam es mir recht unheimlich vor. All die Bäume schienen ihre Äste nach mir auszustrecken, zum Glück war Theo oder besser gesagt Theodor hier. Die alte Buche bei der ich Mutter und Kurt zurück gelassen hatte, wurde schnell gefunden, zumal sie mir noch gut in Erinnerung geblieben war. Mutter musste sich große Sorgen gemacht haben, denn sie schluchzte schon fast als wir uns wieder sahen. Ich stellte den zweien Theodor vor und sie begrüßten sich gegenseitig. Daraufhin begaben wir uns ins sicherere Dorf zurück und Theo führte uns zu seiner Hütte.

Im Innern war es ein wenig wärmer als draußen und zu unserer Überraschung saß ein Mann darin. Mutter bekam schier einen Schock und dachte sicher der andere Mann sei ein Gauner der uns berauben würde oder noch viel Schlimmeres. Aber Theo beruhigte sie und erklärte es sei ein Freund von ihm. Es lag irgendwie eine komische Spannung in der Luft, denn ich fühlte mich zu dem Unbekannten komisch hingezogen, als ob ich ihn kannte. Er schaute uns durchdringend an.

Ich brachte es einfach nicht fertig ruhig zu bleiben: „Wer sind sie?“

Seiten: 14 – 15 | Kapitel 4


[English Version]

So I finally stopped and waited until the man was with me.

Then I asked him: “Why are you running after me? I haven’t done anything to you.”

He answered with his voice, which seemed even rougher to me now: “Boy, I just want to protect you! You have no idea how dangerous it is out here. Come to my hut, it’s safer there!”

I was a little suspicious of the stranger, but I trusted him anyway.

So I cleared my throat, because the man was already about to go back to his hut: “What is so dangerous that you want to take me off the street and into your hut?” The man paused, I took the opportunity and continued to ask: “How many people actually still live here, because you know I lived here myself not so long ago?

This must have made the man even more suspicious, because he turned to me and looked at me in a very strange way. In his eyes I noticed a glimmer and for a short moment the stranger looked as if he had just seen a ghost. But then the shine and the joy in his eyes faded again. Finally he spoke a few words, but he did not answer my question. He said that I resembled a boy he had heard about. But he denied this again immediately. Afterwards he finally explained to me how many people were still living here, only a handful or to be exact six people.

The thing he was afraid of, I learned, was the constant plundering of our own soldiers. They were, as I understood, just as bad to the peasants as the enemy soldiers. With all the talk, I almost forgot my mother and Kurt, who were still waiting for me.

“Before we go in, I am not alone. My mother and a friend of the family are waiting for me.”

The man looked at me somewhat seriously.

“I should look around here to make sure everything is safe”, I spoke hastily.

The villager obviously understood what was going on and asked where I had left them. He advised against it, even though he had a lantern, because it could put us in danger. When he said it, I trusted that it was true.

“That’s good that you did that, but we’d better get your mother and your friend quickly. Who knows what could happen to them here if they stay where they are now any longer! I am Theodor, by the way, but you can also just call me Theo. But now we should leave quickly, it is getting dark!”

I was pleased that he had told me his name. Now I had to say mine as well:

“My name is Anton.”

Now that we had introduced ourselves, we marched off. Since it had become very dark now, it seemed quite spooky to me. All the trees seemed to reach out their branches to me, luckily Theo or rather Theodor was here. The old beech tree where I had left mother and Kurt behind was quickly found, especially since I still remembered it well. Mother must have been very worried, because she almost sobbed when we saw each other again. I introduced the two to Theodor and they greeted each other. Then we went back to the safer village and Theo led us to his hut.

Inside, it was a little warmer than outside and to our surprise a man sat in there. Mother was in shock and probably thought the other man was a crook who would rob us or worse. But Theo calmed her down and declared it was a friend of his. There was a strange tension in the air because I felt strangely attracted to the unknown man, as if I knew him. He looked at us pervasivly.

I just couldn’t bring myself to stay calm: “Who are you?”

Pages: 14 – 15 | Chapter 4


Comment:


I just don’t know what to say about it…

Pretty weird reading this 8 year old story I wrote, when I was 14.

It is just way too innocent on one side and already dark and broken on the other hand. In a way I am fascinated how simple these senteces are and still get a feeling through. At least for me, but probably because I remember feelings and thoughts I had, when I wrote it… A mixture of despair and pointless wishes. At least back then it seemed pointless.

Now it is even worse, but I am taking my chances now.



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