Anton Barsch [4]

Die Geschichte von Anton Barsch

The story of Anton Barsch


[German Version]

Die Leute ringsum wurden leiser und schauten erschrocken auf den Offizier. Ich konnte nur schlecht erkennen wie er aussah, aber älter als fünfzig musste er schon sein.

Das hatte ich an seinem Tonfall gemerkt. Nur wusste ich noch nicht wieso uns dieser Offizier helfen wollte. Schließlich sollte er gerade jetzt besseres zu tun haben.

Als die Menge sich nach und nach beruhigt hatte sprach er weiter, nun etwas leiser: „Ihr müsst eine Schlange bilden, immer vier oder fünf von euch laufen nebeneinander. Habt ihr das verstanden?“

Alle sagten laut „Ja!“ oder „Verstanden!“

So redete er also wieder: „Macht das jetzt und folgt mir dann unauffällig. Und damit meine ich, dass ihr ruhig bleibt!“

Denn ein paar von den Leuten wurden schon wieder laut, hielten aber bei seiner Ermahnung inne.

Der Offizier stieg von seinem Pferd und band es an einer Laterne fest. Wie er ihnen befohlen hatte, so folgten sie ihm auch.

Die Stadt war nun zu Ende und der Offizier erklärte uns, dass wir uns flach auf den Boden legen sollten und dann langsam vorwärts kriechen sollten. Einige vornehmere Herren beschwerten sich, doch als der Offizier meinte sie könnten gerne hier bleiben und sterben, krochen sie ebenfalls über den matschigen Boden. Nun konnte ich das Kriegsgeschehen sehen.

Zum Glück war es noch ein wenig entfernt, aber nah genug um all die Leute hier laufen zu sehen.

Was ich noch gut wusste, war das ganz in der Nähe ein großes Waldstück lag und wir direkt darauf zu steuerten.

Es gelang uns den Wald zu erreichen und der Offizier, der Christ war, wie sich heraus stellte, dankte Gott für seine „Nachricht“ an ihn. Heil froh entkommen zu sein floh jeder in irgendeine Richtung, nur weg vom Krieg.

Der hilfsbereite Offizier verschwand wieder, da er mit Sicherheit noch nicht fertig gekämpft hatte und so sah ich ihm bedauernd nach.


Kapitel 4

Dort wo alles Anfing


Nach all dem Stress und der Angst war es mir nun fast schlecht zu Mute. Kurt ging es nun eher besser und auf jeden Fall besser als mir. Sein Plan war zurück zu unserem…, also dem Ort wo ich und Mutter früher gewohnt hatten, zu gehen: „Lichtenwald“.

Es war nur einen Tagesmarsch entfernt und ich meinte wir sollten bald Rasten.

Der Mond stand hoch am Himmel und so musste es wie ich vermutete Mitternacht sein oder kurz davor/danach. Schlafen war das Einzige was ich noch wollte, naja fast. Nachdem wir und einige andere Flüchtlinge uns versichert hatten, dass kein Feind uns mehr erreichen würde, legten wir uns auf zum Schlafen geeignete Stellen auf dem Boden und schliefen.

Als ich aufwachte schnarchte es um mich herum noch.

Einige der anderen Stadtbewohner waren wohl schon losgezogen, aber ein paar lagen noch auf dem Boden und schliefen, wie ich nicht überhören konnte.

Ich weckte Kurt und Mutter, wir packten das was wir dabei hatten zusammen und marschierten weiter. Zu meinem Erfreuen war nirgends mehr ein Geräusch von Schießereien zu vernehmen. Nur ein Vogelschwarm zwitscherte auf den Bäumen ringsum. Es gab viel zu bereden nach dieser Nacht und so redeten Mutter und Kurt fast ununterbrochen irgendwelches Zeug. Hinhören um was es genau ging wollte ich nicht, viel lieber genoss ich die frische Waldluft und die Natur in vollen Zügen.

Die Zeit verging im Nu und der Abend brach wieder an. Fast schon hatte ich vergessen wohin die Wanderung eigentlich ging, da entdeckte ich es. Das kleine Dorf namens Lichtenwald.

Es war schon fast fremd für mich, war ich doch schon so lange nicht mehr hier gewesen. Aber irgendwie wirkte es verlassen, als ob keiner mehr in dem Dorf wohne. Mir wurde heiß und mein Atem stockte.

Da packte Mutter mich am Ärmel und fragte voller Entsetzen: „Junge, was ist mit dir! So sag doch was!“

Doch mir blieb die Stimme weg, sollten etwa alle Nachbarn und Freunde die hier wohnten geflohen oder getötet worden sein?

Nein, das durfte nicht wahr sein, alles aber nicht das. Waren sie schon geflohen und sollte nun alles umsonst gewesen sein?

Selbst welche die nach uns aus der Stadt fliehen wollten wurde zum Teil erschossen oder gefangen genommen, wie wir von anderen Flüchtlingen erfahren hatten.

Dann bekam ich, wie vom Blitz getroffen eine Eingebung.

„Wartet mal, mir ist es hier nicht geheuer. Versteckt euch hinter einem Busch oder Baum, ich bin gleich wieder zurück!“, flüsterte ich mit ernsten Ton.

Kurt wollte zuerst noch etwas erwidern, doch machte den Mund dann wieder zu ohne ein Wort zu sagen. Mutter und er machten das was ich ihnen gesagt hatte und ich ging weiter in Richtung Lichtenwald. Mir war unwohl, weil alles so fremd wirkte obwohl ich hier vor noch nicht allzu langer Zeit gelebt hatte.

Die Knie schlotterten mir und meine Zähne klapperte, einerseits wegen der Eises Kälte andererseits wegen der Angst. Der Angst vor den grausamen Dingen die vielleicht hier geschehen waren.

Da endlich entdeckte ich ein altes, bekanntes Gebäude, nämlich mein früheres zu Hause. Plötzlich entdeckte ich wie eine Tür eines Hauses, dass etwas weiter entfernt war, aufschlug. Ein Mann kam heraus und lief direkt auf mich zu. Das Herz rutschte mir in die Hose, denn was wollte dieser Mann von mir. Ich rannte los, nur weg von hier.

Doch dann rief er mir hinterher: „He, bleib doch stehen! Es ist viel zu gefährlich hier draußen. Ich will dir doch nichts Böses!“

Zuerst dachte ich der mysteriöse Verfolger wollte damit nur erreichen, dass ich stehen bleibe und er über mich herfallen konnte. Doch irgendwie war so ein glaubwürdiger Ton in seiner tiefen rauen Stimme.

Seiten: 11 – 13 | Kapitel 3 – 4


[English Version]

The people around him became quieter and looked at the officer in shock. I could hardly see what he looked like, but he must be older than fifty.

I could tell by the tone of his voice. But I still did not know why this officer wanted to help us. After all, he should have better things to do right now.

When the crowd had gradually calmed down, he continued to speak, now a little more quietly: “You have to form a line, always four or five of you run next to each other. Do you understand?”

Everyone said loudly “Yes!” or “Understood!”

So he spoke again: “Do that now and then follow me inconspicuously. And by that I mean that you stay calm and quiet!”

Because some of the people started to raise their voices again, but stopped at his admonition.

The officer got off his horse and tied it to a lantern. As he had ordered them, so they followed him.

The city was now over and the officer told us to lie down flat on the ground and then crawl slowly forward. Some of the nobler gentlemen complained, but when the officer said they could stay here and die, they too crawled over the muddy ground. Now I could see the war events.

Luckily it was still a little far away, but close enough to see all the people walking.

What I remembered well was that there was a large piece of forest nearby and we were heading straight for it.

We managed to reach the forest and the officer, who was a Christian as it turned out, thanked God for his “message” to him. Happy to have escaped, everyone fled in some direction, just away from the war.

The helpful officer disappeared again, as he certainly hadn’t finished fighting and so I looked towards his direction with commiseration.


Chapter 4

Where it all Began


After all the stress and anxiety, I was almost in a bad mood. Kurt was now rather better and in any case better than me. His plan was to go back to our…, the place where mother and I used to live: “Lichtenwald”.

It was only a day’s walk away and I thought we should rest soon.

The moon was high in the sky and so it had to be midnight as I suspected or shortly before/after. Sleeping was the only thing I wanted, well almost. After we and some other refugees had assured ourselves that no enemy would reach us, we laid down on the floor in places suitable for sleeping and slept.

When I woke up there was still snoring around me.

Some of the other townspeople had probably already left, but a few were still lying on the floor sleeping, as I could not overhear.

I woke up Kurt and Mom, we packed what we had with us and marched on. To my delight there was no sound of gunfire anywhere. Only a flock of birds chirped on the trees around us. There was a lot to talk about after that night and so mother and Kurt talked almost non-stop. I didn’t want to listen to what it was all about, I rather enjoyed the fresh forest air and nature to the fullest.

Time passed in no time and the evening started again. I had almost forgotten where the hike was going and that’s when I discovered it. The small village called Lichtenwald.

It was almost strange for me, since I hadn’t been here for so long. But somehow it seemed abandoned, as if nobody lived in the village anymore. I felt hot and my breath was faltering.

Then mother grabbed me by the sleeve and asked with fright: “Boy, what’s wrong with you! Say something!”

But I couldn’t hear my voice, should all the neighbors and friends who lived here have fled or been killed?

No, that could not be true, but not all of them. Had they already fled and should now all have been in vain?

Even those who tried to flee the city after us were partly shot or captured, as we learned from other refugees.

Then I had an intuition, as if struck by lightning.

“Wait a minute, I feel uneasy here. Hide behind a bush or a tree, I’ll be right back,” I whispered in a serious tone.

Kurt wanted to reply first, but then closed his mouth again without saying a word. Mother and he did what I told them to do and I continued walking towards Lichtenwald. I felt uncomfortable because everything seemed so strange, even though I had lived here not so long ago.

My knees were shaking and my teeth were chattering, on the one hand because of the icy cold and on the other hand because of the fear. The fear of the cruel things that might have happened here.

There I finally discovered an old, well-known building, namely my former home. Suddenly I discovered how a door of a house that was a little further away opened. A man came out and ran straight towards me. My heart slipped into my pants, because what did this man want from me. I ran away, just away from here.

But then he called after me: “Hey, stop! It’s way too dangerous out here. I mean you no harm!”

At first I thought the mysterious chaser was just trying to make me stop, so he could get me. But somehow there was such a believable tone in his deep rough voice.

Pages: 11 – 13 | Chapters 3 – 4


Comment:










The poor horse on the lantern…

Poor thing…





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