Anton Barsch [2]

Die Geschichte von Anton Barsch

The story of Anton Barsch


Kapitel 2 | Chapter 2

Das unfassbare naht

The unbelievable approaches


[German Version]

Es gab gleich Abendessen oder das was es eigentlich sein sollte.

Zwar war es ziemlich wenig, aber es schmeckte dafür umso besser. Zum Trinken gab es hier nur schmutziges Wasser oder Alkohol. Das finde ich nicht sehr toll, denn was soll man dann kleinen Kindern zum Trinken geben, etwa Dreckwasser?!

„Mutter, kann ich auch lieber etwas Bier trinken oder Gin? Weil ich nämlich nicht glaube das diese braune Brühe gesünder ist.“, fragte ich meine Mutter bettelnd.

Doch sie blieb bei ihrem Entschluss hochgepumptes Wasser zu trinken. Ich erzählte ihr dann, dass ich aber schon von einer Krankheit gehört habe, die durch dieses Wasser verursacht wird. Nachdem ich sie mit meinen Überredungskünsten dann doch für den Alkohol gestimmt hatte trank ich einen Schluck aus der Flasche indem welcher war. Eigentlich war er dafür gedacht wunden zu säubern und von Schmerzen abzulenken. Trotzdem trank ich und Mutter dann auch. Nach einer Weile war mir ein bisschen benommen zu Mute. Ich habe bis jetzt ja fast noch nie Alkohol getrunken. Schon gar nicht so eine Menge und so schickte mich Mutter ins Bett, da ich meinen „Rausch“ ausschlafen solle, wie sie es nannte.

Der Morgen begann mit höllischen Kopfschmerzen und ich konnte mir vorstellen von was sie kamen. Im Zimmer war es ruhig und noch dunkel. Ich sah das Mutter schon in der Fabrik sein musste. Also stand ich auf und öffnete das Fenster.

Grell schien mir die Sonne ins Gesicht und ich brauchte eine Weile, bis ich etwas erkennen konnte. Draußen war geschäftiges Treiben, überall liefen Menschen durch die Straßen.

Einige riefen Parolen und verteilten Flugblätter. Nun zog ich mich rasch an, denn irgendetwas war anders als sonst. Ich wusste nur noch nicht genau was. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Viel mehr Soldaten als sonst waren auf der Straße zu sehen und ich dachte mir schon was dies bedeutete. Nur wollte ich mir nicht ausmalen was es eigentlich hieße.

„Extrablatt! Extrablatt! Alles über den Angriff des Feindes!“, brüllte ein hagerer Junge, er ein paar Jahre jünger war als ich.

Hätte ich Geld gehabt, um es zu bezahlen, hätte ich mir ein Exemplar gekauft, doch war es nun eben anders.

Also wollte ich von dem Jungen wissen was denn los sei.

Er schnauzte mich nur an: „Wenn du‘ s dir nicht leisten kannst das Blatt zu kaufen, frag mich nicht nach dem was draufgedruckt ist! Klar?“

„Jaja…“, murmelte ich beleidigt. „Wollte ja nur wissen was mit den Leuten los ist.“

Geholfen hat er mir zwar nicht, aber die Lösung lag nun ja auf der Hand – der Feind war bis zur Stadt vorgedrungen.

So überlegte ich, was ich wohl machen sollte, da kam es mir auch schon in den Sinn. Ich ging also zum Stoffhändler, er war es ja schließlich der uns einen rechten Platz zum Wohnen in der Stadt gegeben hatte. Das Problem lag nur darin, dass ich nicht genau wusste wo sein Laden war und die Stadt ist und bleibt nun mal groß. Genervt und müde fand ich den Laden endlich, der an einer Kreuzung stand. Der Händler stand traurig und schlecht gelaunt hinter dem Tresen. Als er mich sah wurde er schon etwas fröhlicher. Wie sollte man auch reagieren, wenn die feindlichen Truppen vor der Stadt lungern und man einen guten Laden besaß, der vielleicht nun mit einem Schlag zur Nichte gemacht würde.

„Hallo, Anton. Wie geht es dir?“, sagte er mit freundlicher Stimme zu mir.

Ich überlegte erst und meinte dann: „Wenn es stimmt was man sagt, dann steht der Feind vor den Toren, wie man so sagt. Also geht’s mir deswegen eher schlecht als gut und dir?“

Er blieb erst einfach nur stehen und sah mich an, weil ihn das wohl schon sehr mitnahm. Er erzählte mir schließlich von früher, wie er mit meinen Großeltern zusammengearbeitet hatte und ihm sein Laden heilig sei. Ich war begeistert was meine Großeltern alles geleistet hatten und vergaß schon fast was ich ihn fragen wollte.

So legte ich los: „Onkel Kurt, was sollen wir denn eigentlich machen, wenn der Feind es schafft die Stadt zu stürmen? Oder besser gesagt was machst du dann?“

Er sah mich schweren Herzens an, doch konnte ich erkennen das es nicht wegen mir war sondern wegen dem Laden.

Er antwortete ganz ruhig: „Anton, ich kann mich zwar nur schwer von meinem Geschäft trennen, aber wenn der Feind die Stadt überrennt und ich sterbe, bringt er mir auch nichts mehr.

Ich werde mit euch fliehen, wenn es Zeit ist und sag deiner Mutter Bescheid, wann und wo wir uns treffen werden.“

„Gut, mach ich.“, sagte ich ihm und er erklärte mir alles ganz genau.

Ich verabschiedete mich und ging. Rennen konnte ich ja nicht mehr, denn das hatte ich schon den ganzen Tag gemacht.

Ich merkte erst als ich wieder zu Hause war, wie spät es eigentlich war, nämlich ungefähr drei Uhr und bald darauf kam Mutter von der Arbeit. Sie konnte heute früher gehen, da nun die meisten Fabriken abgestellt wurden.

Nachdem sie alles verstanden hatte was ich ihr berichtete sah sie mich fragend an. Ich vermutete was sie meinte, doch was brachte es uns auf Vater zu warten und wenn er gar nicht mehr lebte! So würden sie ganz umsonst sterben.

,Alles hat seine Zeit.‘, dachte ich im Stillen und bereute es gleich wieder.

Seiten: 5 – 8 | Kapitel 2


[English Version]

There was dinner right away or what it was supposed to be.

It was very little, so it tasted even better. For drinking there was only dirty water or alcohol. I don’t think that’s very good, because what should you give small children to drink, dirty water?

“Mother, can I have some beer or gin instead? Because I don’t think this brown broth is healthier.”, I asked my mother begging.

But she stuck to her decision to drink pumped up water. I then told her that I had heard of a disease caused by this water. After I persuaded her to go for alcohol, I took a sip from the bottle in which there was some. Actually it was meant to clean wounds and distract from pain. Nevertheless I and drank it and mother too. After a while I felt a little dizzy. I hardly ever drank alcohol before. Especially not that much and so mother sent me to bed to sleep off my “intoxication”, as she called it.

The morning began with a hell of a headache and I could imagine what it was from. The room was quiet and still dark. I saw that mother must already be in the factory. So I got up and opened the window.

The sun was shining brightly in my face and it took me a while before I could see anything. Outside there was a lot of activity, people were running through the streets.

Some shouted paroles and distributed leaflets. Now I dressed quickly, because something was different than usual. I just did not know exactly what. Then it fell from my eyes like scales.

There were many more soldiers on the street than usual and I thought what it meant. I just couldn’t imagine what it actually meant.

“Extra! Extra! Everything about the enemy’s attack,” yelled a gaunt boy, he was a few years younger than me.

Had I had money to pay for it, I would have bought a copy, but it wasn’t like this now.

So I wanted to know from the boy what was going on.

He just snarled at me: “If you can’t afford to buy the paper, don’t ask me what’s printed on it! Is that clear?”

“Yes, yes ..,” I murmured insulted. “I just wanted to know what was going on with people.”

He did not help me, but the solution was obvious – the enemy had reached the city.

So I thought about what I should do, and that’s when it occurred to me. So I went to the cloth merchant, he was the one who had given us a proper place to live in the city. The only problem was that I didn’t know exactly where his store was and the city is and remains big. Annoyed and tired I finally found the store, which stood at a crossroads. The trader stood sad and bad-tempered behind the counter. When he saw me he was already a little happier. How should one react when the enemy troops are lurking outside the city and one owned a good store that might be destroyed in an instant.

“Hello, Anton. How are you?”, he said to me in a friendly voice.

I first thought about it and then said: “If what they say is true, then the enemy is at the gates, as they say. So that makes me feel more bad than good, and you?”

At first he just stopped and looked at me, because he was probably very upset about it. He finally told me about the past, how he had worked with my grandparents and how his store was sacred to him. I was amazed at what my grandparents had accomplished and almost forgot what I wanted to ask him.

So I started: “Uncle Kurt, what should we actually do if the enemy manages to storm the city? Or rather what are you going to do then?”

He looked at me with a heavy heart, but I could see that it wasn’t because of me, but because of the store.

He replied calmly: “Anton, I can hardly part with my store, but if the enemy overruns the city and I die, it will bring me nothing more.

I will flee with you when it is time. Let your mother know when and where we will meet.

“All right, I will.”, I told him and he explained everything to me in detail.

I said goodbye and left. I couldn’t run anymore, because I had been doing that all day.

I didn’t realize what time it was until I got home, about three o’clock, and soon after that, my mother came home from work. She was able to leave earlier today, because most of the factories were shut down.

After she had understood everything I told her, she looked at me questioningly. I suspected what it meant, but what was the point of waiting for father, especially if he was no longer alive! Then they would die for nothing.

‘Everything has its time.’, I thought in silence and immediately regretted it again.

Pages: 5 – 8 | Chapter 2


Comment:

After all this time, it is scary how true all of this is. How I wrote with such power, although some words and sentences might be poorly written. Given my feelings, my hopes and fears and what I always wanted.

The neverending story in a good way, without the problems, the hate and sorrow or the bitter but final end, I knew I would never get.

How my teenage self was able to predict the future, while writing a fictional story about a past which never existed. It only proofs how wrong everyone was and is, about those who are different. And gives me hope to continue my fight. Even though, or especially, because I say farewell to you so often. Because each time I get nearer to my goal, to what we all want, deep down.

Each time I find words of courage, like this general who said some last words to his surrendered army. In my post “To all (my) crying armies“.

A child knows more than all the so called “grown ups” together.

Lyrics in text form (sadly only in german)

😥


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